THERE IS ONLY ONE STORY

Fotografien und Text | Frankreich, 2010

Captures-Espaces d'art contemporain Royan, Frankreich 2010
Jahresrundgang der Kunsthochschule für Medien Köln, Deutschland 2010
Collegium Hungaricum Berlin, Deutschlans 2010

THERE IS ONLY ONE STORY

von Florian Heinzen-Ziob

Eine Reise ist immer auch eine Erzählung. Es gibt einen Anfang und ein Ende, Entwicklungen und Wendepunkte. Doch wie erzählen wir eine Reise? Welcher Strukturen, bewusst oder unbewusst, bedienen wir uns? Und woher stammt der Ursprung dieser Strukturen?

Meine Arbeit beschäftigt sich mit der "Heldenreise", einer populären narrativen Struktur, die ähnlichen einem Feedback, dem kollektiven Unbewussten entnommen, verformt und wieder einverleibt wurde.

DAS PARADIGMA

Das Leben als "Heldenreise": Wir sind mit dem Paradigma groß geworden - drei Akte, zwölf Schritte, eine Entwicklung. In unzähligen Filmen haben wir gelernt, unser Leben als Geschichte zu begreifen und zu erzählen, so dass wir mittlerweile vom "Drehbuch unseres Lebens" sprechen.

Im Paradigma macht die chaotische, zufällige menschliche Existenz wieder Sinn. Rückschläge, Fehlschläge und Krisen sind Prüfungen, die gemeistert werden müssen als Teil der persönlichen Entwicklung, an deren Ende ein höheres Selbst steht.

Wir alle erleben die immer gleichen archetypischen Herausforderungen, treffen die gleichen archetypischen Figuren, die wir besiegen oder inkorporieren müssen. Und es zeigt sich, dass es nur eine einzige Geschichte gibt, die wir jeden Tag von neuem erzählen, mehr noch, die wir jeden Tag von neuem leben und das seit Tausenden von Jahren.

Doch die Freiheit, seine eigene Lebensgeschichte zu schreiben, wird zum Zwang, wenn das Leben als Prüfung begriffen wird, die jeder Mensch als Held zu meistern hat. Unglück und Scheitern sind demnach individuelle Risiken, und das "Drehbuch des Lebens" entpuppt sich als einfache Bewerbungsmappe.

DER MONOMYTHOS

1949 veröffentlichte Joseph Campbell sein Buch "The Hero with a Thousand Faces", in dem er die Mythen einer Vielzahl unterschiedlichster Kulturen verglich und entdeckte, dass all diesen Geschichten - ob Buddha, Christus, Thor oder Rabe - immer wiederkehrende "Archetypen" zugrunde liegen. Joseph Campbell, der in der Tradition von C.G. Jung stand, stellte die These auf, dass die Mythen das kollektive Unbewusste der Menschheit widerspiegeln und einen "Monomythos" bilden, der überall auf der Welt der gleichen Struktur der "Heldenreise" folgt.

1993 wandelte Christopher Vogler mit seinem Buch "The Writer's Journey" Joseph Campbells Forschung in eine handliche Gebrauchsanweisung für Hollywood um. Generationen von Filmstudenten lernen seitdem den Monomythos als Grundlage ihres Erzählens zu benutzen, und so wurde die "Heldenreise" zur Formgebenden Struktur für eine Vielzahl erfolgreicher Filme der unterschiedlichsten Genres: "E.T.", "Forrest Gump", "Star Wars".

Die "Heldenreise" wurde so in das Bewusstsein von Milliarden Menschen implantiert und veränderte die Art, in der sie ihr Leben denken und erzählen. Mittlerweile wird die "Heldenreise" als Seminar für Manager angeboten, und ihr Dogma einer sich entwickelnden Heldenfigur fügt sich perfekt in die Erwartungen an den flexiblen Menschen in der kapitalistischen Wertschöpfungskette.

Vielleicht war die "Heldenreise" niemals ein Monomythos, doch mittlerweile bestimmt sie die Struktur von Narrationen auf der ganzen Welt, ob kommerziell oder persönlich.

THERE IS ONLY ONE STORY

In meiner Arbeit "There is only one Story" habe ich meine zweiwöchige Reise mit der Migrating Arts Academy in die narrative Struktur der "Heldenreise" eingeordnet. Der Text bedient sich dabei den typischen Stationen des Paradigmas der "Heldenreise": Unvollkommenheit am Anfang, Krise, Auferstehung und Erleuchtung am Ende der Reise, gemischt mit Ideen, Beobachtungen und Eindrücken, die ich während der zwei Wochen aufgeschrieben habe.

Die Bilder sind einer Kamera entnommen, mit der jeder Student Fotos machen konnte, ohne, dass es später eine Autorenschaft geben würde. Sie dienen mir als kollektives Unbewusstes.

Meine Arbeit besteht aus siebzehn Tafeln, die in der klassischen 3-Akt-Struktur meine ganz persönliche "Heldenreise" dokumentieren.

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